Montag, 12. Dezember 2011

Sperber – Ein Lernender aus einem Irrtum

Manès Sperber (1905-1984) wurde an einem 12. Dezember im ukrainischen Sabolotiw geboren, dem damals österreich-ungarischen Zablotow. Er entstammte dem chassidischen Judentum der galizischen 'Städtel', die er einmal mit kleinen 'Gottesbürgerschaften' in feindlicher Umgebung verglich (nach "De civitate dei" von Augustinus). Während seiner Wiener Jugendjahre waren es zwei profane Geistesgrößen, die ihn anzogen: der sozialistische "Wir"-Denker Karl Marx und der psychoanalytische "Ich"-Denker Alfred Adler. Diesem begegnete er persönlich, und er ließ sich zum Individualpsychologen ausbilden, als der er ab 1927 in Berlin praktizierte. Im selben Jahr wurde er Mitglied der KPD. Doch im darauffolgenden Jahrzehnt kehrte er sich von beiden Engagements ab. Mit Adler brach er, weil dieser den politisch linken Flügel der Individualpsychologen 'unvereinbar' fand. Auf Distanz zu den Kommunisten ging er aus Entsetzen über die Stalinschen Schauprozesse. Damit war freie Bahn geschaffen für seine Schriftstellerei, wenngleich unter den Umständen des Überlebenskampfs eines Juden im Zweiten Weltkrieg. Am Zufluchtsort und späteren festen Wohnsitz Paris entstand die teils massenpsychologische Essaysammlung "Zur Analyse der Tyrannis" und begann er seine Romantrilogie "Wie eine Träne im Ozean", ein autobiographisch geprägter Reigen ganz unterschiedlicher europäischer Kommunistenschicksale zwischen 1931 und 1945. Eine ebenfalls dreiteilige dokumentarische Autobiographie reichte er in den 1970er Jahren nach: "All das Vergangene".

QUELLEN
Paffenholz: Manès Sperber zur Einführung (Junius 1996)
Birgit Schmidt: Manès Sperber – Der Philosoph des Irrtums (haGalil 11.12.2005)

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