Donnerstag, 8. Dezember 2011

Spencer – Die Evolution und das Unergründliche

Herbert Spencer (1820-1903) starb an einem 8. Dezember* 83-jährig in der südenglischen Küstenstadt Brighton. Etwa gleichzeitig mit Charles Darwin hatte der im nordenglischen Derby Geborene einen Gedanken von Jean Baptiste de Lamarck aufgegriffen: den von der Veränderlichkeit der Arten. Die oft Darwin zugeschriebene Formulierung "Survival of the fittest (Überleben der Angepasstesten)" stammt in Wirklichkeit von Spencer. Während der für den Darwinismus Pate stehende Landsmann exotische Tier- und Pflanzenwelten bereiste, um reiches Belegmaterial für die Abstammungslehre zusammenzutragen, baute der zwei Jahre jüngere Privatgelehrte die Evolutionstheorie zu einer philosophischen Weltanschauung aus. Diese sollte im 20. Jahrhundert als Frühform eines "Sozialdarwinismus" diskreditiert werden, auf den sich die nationalsozialistische Rassenideologie berufen hat. Statt derart auf eine Selektion von "Herren-" und "Untermenschen" abzuzielen, nahm Spencer die Entwicklung einer immer freiheitlicheren Gesellschaft an, die irgendwann keine staatliche Kontrolle mehr nötig habe, weil diese mehr und mehr durch die Selbstkontrolle der Individuen ersetzt werde. Im Hinblick auf das Ganze der Natur lässt sein Evolutionismus es offen, wie und ob alles einmal angefangen habe. Das sei unergründlich. Somit gesellte sich in dieser Frage Spencer zu den Agnostikern seiner Zeit.

QUELLEN
Durant: Die großen Denker (Lübbe 1980)
Kaesler (Hg.): Klassiker der Soziologie (Beck 2000)

* Der 8. Dezember ist außerdem der Geburtstag von Paul Thiry d'Holbach und Niklas Luhmann sowie der Todestag von George Boole

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