Freitag, 16. Dezember 2011

Santayana – Der Geist aus der Natur

George Santayana (1863-1952) wurde an einem 16. Dezember in Madrid geboren. Als er 8 Jahre alt war, verließ die Diplomatenfamilie Spanien und siedelte sich in den USA an. Im Großraum Boston ging er zur Schule und absolvierte er sein Studium, das er mit einer Doktorarbeit über den deutschen Philosophen Hermann Lotze abschloss. An der Harvard University war er Hörer und ab 1889 Kollege des Pragmatisten William James. Dieser fand im Gegensatz zu seinem Bruder Henry James Santayanas erstes philosophisches Hauptwerk indiskutabel. Es trägt den Titel "The Life of Reason (Das Leben der Vernunft)", besteht aus fünf Bänden und erschien in den Jahren 1905 und 1906. Das Buch handelt davon, wie die Natur aus chaotischen zu geordneteren Verhältnissen gelangt, indem sie unterschiedliche Gestalten des Geistes zur Welt bringt: den religiösen, den wissenschaftlichen und den poetischen. Die Poesie reflektiert die Natur und ihren guten Zweck am angemessensten, während mit der Religion die Phantasie durchgeht und die Wissenschaft ins allzu Abstrakte abgleitet. Santayana selbst tat sich ebenfalls dichterisch hervor: als junger Mann mit Lyrik, im Alter vor allem mit dem Roman "Der letzte Puritaner" (1935), worin er die tieferen Beweggründe seines 1912 erfolgten Abschieds von Amerika ausführte, in der Form einer 'tragischen Lebensgeschichte'. Etwa gleichzeitig entstand "Realms of Being (Seinsbereiche)", womit der Privatgelehrte Philosophie als Lebenshilfe betrieb, indem er zu einem blinden Glauben (animal faith) an die so vertraute wie theoretisch bezweifelbare Wirklichkeit ermutigte. Seinen Lebensabend verbrachte der Junggeselle und mit der katholischen Kirche sympathisierende Atheist in Rom, wo er in einem von Nonnen geleiteten Pflegeheim 88-jährig starb.

QUELLEN
Jens (Hg.): Kindlers neues Literatur-Lexikon (1988)
Volpi (Hg.): Großes Werklexikon der Philosophie (2004)

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