Samstag, 3. Dezember 2011

Saner – Toleranz genügt zum Frieden nicht

Hans Saner (77) wurde an einem 3. Dezember in Grosshöchstätten (Kanton Bern) geboren. Der langjährige persönliche Assistent und Nachlassherausgeber von Karl Jaspers ist der namhafteste Schweizer Philosoph der Gegenwart. Sein Quer-Denken hat sich nicht in Schriften mit Hauptwerkcharakter niedergeschlagen, sondern immer wieder 'aus gegebenem Anlass' in Aufsätzen, Reden und Interviews. Dabei ist seit seiner Doktorarbeit über Immanuel Kants Friedensschrift ein Thema als roter Faden unverkennbar: die Gewalt und wie man ihr friedlich beikommen kann. Von den barbarischen Ausmaßen, die sie im 20. Jahrhundert angenommen hat – in Krieg, Völkermord und Umweltzerstörung – zeigt er sich besonders ergriffen als Zeitgenosse der Moderne mit deren wissenschaftlich-technischen und kulturellen Glanzleistungen im selben Säkulum. Ihrer nationenübergreifenden Wirkmacht sei die ökonomische Globalisierung bloß nachgefolgt und nicht etwa vorausgeschritten. Die Politik verhalte sich in dieser Weltlage, als hätte sie die Jahrhundertlektion nicht gelernt. Statt die interkulturelle Kommunikation zu fördern, lege sie – an der Spitze die USA und die 'Weltreligionen' – den Schwerpunkt immer noch auf das kränkende und Gegengewalt provozierende Vormachtstreben. Sehr verwundert ist "der stille Anarchist" Saner darüber nicht, denn oft sei auch innerhalb der 'großen' Nationen und Glaubensgemeinschaften eine anerkennende (statt lediglich tolerierende) Differenzverträglichkeit noch arg unterentwickelt.

QUELLEN
Saner: Nicht-optimale Strategien (Lenos 2002)
Annemarie Pieper: Im Rachen der Fragen (NZZ 3.12.2004)

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