Sonntag, 11. Dezember 2011

Osho – Spielhölle Religiosität

Osho, anfangs Chandra Mohan Jain (1931-1990) wurde an einem 11. Dezember im zentralindischen Kuchwada (nahe Bhopal) geboren. Am 21. März 1953 trat in seinem Leben etwas ein, das er unter anderem mit Tod und Wiedergeburt umschrieb. Daraufhin setzte der Student zunächst seine Laufbahn als Intellektueller fort. Er schloss ein Philosophiestudium ab, arbeitete als Journalist und unternahm als Redner viele Inlandsreisen mit kulturkritischen und oftmals Anstoß erregenden Vorträgen. Erst 18 Jahre nach dem 'Erleuchtungserlebnis' vollzog er in seiner Öffentlichkeitsarbeit eine Wende 'vom Kopf zum Herzen'. Als äußeres Zeichen dafür nahm er zusätzlich zu seinem Rufnamen Shree Rajneesh den hinduistischen Ehrentitel Bhagwan ("Erhabener") an. Er war nun endgültig erhaben über die kulturell verbindlichen Lebensentwürfe und forcierte stattdessen eine experimentierfreudige Meditationspraxis zur "Selbstverwirklichung". Dafür errichtete er ein noch heute bestehendes internationales Übungszentrum in Poona, nahe Bombay (bzw. Pune nahe Mumbai). Es konnte nicht ausbleiben, dass ihm diese sehr 'emanzipierte' Form von 'Ökumene' viel Anfeindung von verschiedenen 'rechtgläubigen' Seiten eintrug; denn provozierender als ein solch freies Spiel mit der Religiosität kann keine Religionskritik sein. Hinzu kamen falsche Freunde aus seinem engsten Anhängerkreis, die zeitweise die spirituelle Bewegung fast wie eine kriminelle Vereinigung erscheinen ließen – besonders in den USA. Als er von dortigen Krankenhaus- und Gefängnisaufenthalten über eine Reihe von kurzen Zwischenstationen in anderen Ländern 55-jährig zu seiner indischen Wirkungsstätte zurückkehrte, startete er noch das letzte große Projekt einer Multiversität: einer "Weltakademie der kreativen Wissenschaften". Nicht allzu fern an diese Initiative Oshos erinnernde Vorschläge hat unlängst – unter der Devise "Du musst dein Leben ändern" – sein deutscher Sannyasin Swami D. Peter gemacht.

QUELLEN
Osho: Autobiographie (Ullstein 2001)
Reller/Krech/Kleiminger: Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen (Gütersloher 2000)

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