Freitag, 9. Dezember 2011

Kropotkin – Anarchist und Soziobiologe

Pjotr Kropotkin (1842-1921) wurde an einem 9. Dezember (julianisch: 27. November) in Moskau geboren. Der "anarchistische Fürst" entstammte dem russischen Hochadel und war angesichts des Lebens der väterlichen Leibeigenen schon als Kind von der sozialen Ungerechtigkeit stark beeindruckt. Wissenschaftlich wandte er sich zunächst der Geographie zu, worüber er sich vor allem im Nordosten Sibiriens Anschauungsunterricht holte. Fern vom Zentrum des Zarenreichs, begegnete dem Eliteoffizier dort ein Gemeinschaftsgeist der Menschen, der für sein politisches Engagement wegweisend wurde. Als sein Vater starb, nutzte der 30-Jährige die Unabhängigkeit zum Abbruch der Militärlaufbahn und zu einem ersten Aufenthalt in Westeuropa. Bei den Schweizer sozialistischen Exilrussen schloss er Freundschaften und gesellte er sich der "antiautoritären" Fraktion zu. Wieder in Russland, begann er unter den Bauern, deren Leibeigenschaft mittlerweile zwar aufgehoben war, ohne dass ihre wirtschaftliche Not jedoch geringer geworden wäre, zu agitieren. Die Folge war eine Festungshaft, aus der er nach zwei Jahren ausbrechen konnte. Jetzt verließ er die alte Heimat gen Westen für mehr als vier Jahrzehnte. Er wurde Herausgeber von anarchistischen Zeitschriften und veröffentlichte Bücher im selben revolutionären Geist. In England konnte er sich dauerhaft niederlassen. Dort setzte er sich auch mit dem aufkommenden Sozialdarwinismus auseinander, gegen den er einen vorausweisenden, 'soziobiologischen' Beitrag verfasste: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt. Als er im Revolutionsjahr 1917 nach Russland zurückkehrte, feierten alle antizaristischen Kräfte den äußerst populären Vorkämpfer, obwohl im Kampf um die Macht seine Überzeugungen längst keine Rolle mehr spielten. Er hatte noch Gelegenheit zu einigen kontroversen Gesprächen mit Lenin, dem Führer der siegreichen "Staatssozialisten", ehe er 78-jährig starb.

QUELLEN
Jacoby (Hg.): Lexikon linker Leitfiguren (Büchergilde Gutenberg 1988)
Kropotkin: Die Eroberung des Brotes und andere Schriften (Hanser 1984)

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