Mittwoch, 14. Dezember 2011

Juan de la Cruz – Das Kreuz mit dem Licht

Johannes vom Kreuz (1542-1591), spanisch: Juan de la Cruz, starb an einem 14. Dezember im andalusischen Úbeda. Von Jesuiten geschult, war der 20-Jährige in den zur Zeit der Kreuzzüge gegründeten Karmelitenorden eingetreten, um diesen in geistlicher Verbindung mit der Visionärin Teresa von Ávila zu reformieren. Die "beschuhten" Konservativen leisteten gegen die strengere Auslegung der Ordensregel Widerstand. So kam es, dass sie Johannes im Kloster einsperrten. In der Haft, aus der er sich nach neun Monaten befreien konnte, entstanden schriftliche Aufzeichnungen, die ihn als einen der größten christlichen Mystiker der Neuzeit erwiesen haben und als nicht minder großen Theologen, der seine "dunkle" Gotteserfahrung auch rational zu deuten verstand. Anders als in Platons Höhlengleichnis kommt es bei dieser Erfahrung nicht zu einer Gewöhnung des "Aufsteigenden" an das 'Tageslicht' der Wahrheit, sondern gerade zu einer erfüllenden Abkehr vom Licht sowohl der Sinne als auch des Geistes. Denn das göttliche Licht ist in einem solchen Übermaße hell, dass ihm nichts so gleichkommt wie die dunkle Nacht der Seele. Diese Nacht war selbst für den Mensch gewordenen Sohn Gottes entscheidend: in der Wüste, als ihn der Teufel versuchte; am Kreuz, als er die Gottverlassenheit beklagte. In derart dunklen Nächten können auch Menschen zu Göttern werden, wie es Jesus einmal ansprach – "Ihr seid Götter" (Joh 10,34) – und des Johannes vom Kreuz christliches Selbstverständnis war. 1593, zwei Jahre nach seinem Tod, spalteten sich die "unbeschuhten" Karmeliten und Karmelitinnen vom alten Orden ab.

QUELLEN
Mittelstraß (Hg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie (Metzler 1995)
Sudbrack: Mystik (Grünewald 1988)

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