Sonntag, 4. Dezember 2011

Hobbes – Wir notgedrungen Zivilisierten

Thomas Hobbes (1588-1679) starb an einem 4. Dezember 91-jährig im ostenglischen Hardwick. Der im Südwesten Englands geborene Pastorensohn schrieb einen Klassiker der politischen Philosophie, den Leviathan. Der Untertitel des Buches lautet: "Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates". Die Wesensbestimmung dieses Staates leitete er wie folgt ab: Der natürliche Feind des Menschen sei der andere Mensch; denn dieser vor allem sei es immer wieder und jedenfalls auf längere Sicht, der dem jeweils eigenen, vom Selbsterhaltungstrieb bestimmten Willen im Wege stehe. Menschen sind demnach bei weitem nicht so leicht bezähmbar wie wilde Tiere, zum Beispiel die im Volksmund für besonders bösartig gehaltenen Wölfe. Der in diesem Sinne wölfischste Wolf sei also vielmehr der menschliche Artgenosse: "Homo homini lupus (Der Mensch: des Menschen Wolf)". Die Konsequenz daraus, den "Krieg aller gegen alle", wäre höchstens die geballte Macht aller Betroffenen zu hemmen imstande: ein "über-wölfisches" Gemeinwesen, am besten repräsentiert von einem gefürchteten Monarchen, insofern dessen ungeheure, "leviathanische" Erhabenheit auf jeden einzelnen "wölfischen" Menschen gemeinhin abschreckend wirke. Eine solche Notmaßnahme kommt einem Gesellschaftsvertrag gleich; denn notgedrungen gehen daraufhin die einzelnen Gesellschaftsmitglieder zivilisierter miteinander um. Mit dieser Vertragstheorie profilierte sich Hobbes als empiristischer und materialistischer Vordenker des aufgeklärten Absolutismus. Doch reicht der Einfluss seiner Staatslehre noch weit darüber hinaus.

QUELLEN
Hobbes: Leviathan (Suhrkamp 1984)
Volpi (Hg.): Großes Werklexikon der Philosophie (Kröner 2004)

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