Donnerstag, 1. Dezember 2011

Garve – Der Popularphilosoph

Christian Garve (1742-1798) starb an einem 1. Dezember 56-jährig in seinem Breslauer Elternhaus. Mit 36 lebte er für ein Jahr im Berliner Schloss Charlottenburg bei Friedrich dem Großen, den seine unterhaltsamen philosophischen Essays beeindruckt hatten. Der zeitweilige Leipziger Professor war mittlerweile in seiner Heimatstadt als kränklicher kleiner Buchhändler tätig. Vom englischen und schottischen Empirismus geprägt, machte er diesen in Deutschland durch Übersetzungen weitläufiger bekannt. Als die „Kritik der reinen Vernunft“ (1781) erschien, gehörte er zu den namhaftesten Rezensenten. Er setzte sich fortan bis zuletzt mit Immanuel Kant publizistisch auseinander, der dabei zu einem alle Missverständnisse klärenden „Anti-Garve“ ausholte – und als Ergebnis die „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ (1785) veröffentlichte. Abgesehen von dieser Kontroverse, war Garves Art zu philosophieren überhaupt eine dialogische. Seine Übersetzungen, in den späteren Jahren auch solche von antiken Klassikern, waren für ihn vorzügliche Gelegenheiten, sich kommentierend "in die Stelle des Schriftstellers" zu setzen, "an dessen Feuer sein eigenes" anzuzünden und etwa mit Cicero oder Aristoteles "gemeinschaftlich" zu denken. Gegen Ende seines Lebens war der vom Gesichtskrebs Gezeichnete und vielleicht bis heute unterschätzte "Popularphilosoph" auf diese seine Art am produktivsten.

QUELLEN
Lutz (Hg.): Philosophen Lexikon (Metzler 1995)
Volpi (Hg.): Großes Werklexikon der Philosophie (Kröner 2004)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen