Mittwoch, 7. Dezember 2011

Cicero – Mit dem philosophischen Latein am Anfang

Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.) starb an einem 7. Dezember zwischen Formiae und Caieta. Die beiden etwa 100 km nördlich von Neapel gelegenen Küstenstädte, italienisch: Formia und Gaeta, gehören zur Region Lazio, lateinisch: Latium, dem Kerngebiet des ehemaligen Römischen Reiches. Cicero wurde von Handlangern seines Todfeindes Marcus Antonius enthauptet. Dieser erwirkte als Parteigänger des im Jahr zuvor ermordeten Caesars die Proskription genannte todbringende Ächtung seines wichtigsten politischen Gegners – im Dreimännerbündnis (Triumvirat) mit Lepidus und Octavian, dem späteren Kaiser Augustus. In der Tat waren zur Zeit der niedergehenden römischen Republik Caesar und Cicero die beiden großen Gegenspieler und die Geschicke vor allem des Letzteren entsprechend wechselhaft. Der hochbegabte Sohn eines mittelständischen "Ritters (eques)" hatte es auf der Ämterlaufbahn in kürzestmöglicher Zeit bis ganz nach oben gebracht: zum Konsul des Jahres 63 v. Chr. Während dieses Werdegangs entfaltete sich seine einzigartige Rednergabe – sowohl vor Gericht als auch im Senat. Als junger Mann hatte er außerdem die Gelegenheit zu einer zweijährigen Studienreise durch Griechenland und Kleinasien, auf der er nicht nur die bereits strapazierte Anwaltsstimme schonen, sondern auch seine philosophische Bildung ausbauen konnte. Er gewann dadurch ein geistiges Format, das ihm in den Machtkämpfen mit Caesar auch dessen hohen Respekt verschaffte. Mochte der nach Alleinherrschaft Strebende den prinzipientreuen Republikaner auch vergeblich umwerben und darum wiederholt politisch kaltstellen: Cicero war in derlei Unbilden um sprachliche Meisterstücke nicht verlegener als im Licht der hauptstädtischen Öffentlichkeit. Er hielt nicht nur eine Vielzahl seiner großen Reden schriftlich fest, sondern verfasste auch eine Reihe von philosophischen Werken, in denen sich fast das ganze Spektrum der antiken Denkweisen 'eklektisch' wiederfindet: vom Platonismus über die Stoa bis zur Skepsis. In seinen allerletzten Jahren war er darin noch einmal besonders fruchtbar. Auf diese Weise wurde er mit seinem klassischen Latein der Schöpfer des noch heute in aller Welt gebräuchlichen Grundwortschatzes der Philosophie.

QUELLEN
Cicero: De officiis / Vom pflichtgemäßen Handeln, lateinisch/deutsch (Reclam 1986)
Stroh: Cicero – Redner, Staatsmann, Philosoph (Beck 2008)

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