Samstag, 10. Dezember 2011

Averroes – DER Kommentator DES Philosophen

Averroes (1126-1198), arabisch: Ibn Ruschd, starb an einem 10. oder 11. Dezember im marokkanischen Marrakesch. Der im damals maurischen Cordoba Geborene war der für die mittelalterliche Scholastik einflussreichste arabische Philosoph. Er erläuterte eingehend sämtliche überlieferten Werke des Aristoteles und forderte auf diese Weise Gelehrte wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin zur intensiven geistigen Auseinandersetzung heraus. Denn einerseits führte für sie an dem kongenialen Schüler und Gegenspieler Platons kein Weg vorbei, andererseits mussten sie sich als Christen in zentralen Punkten gegen das Aristoteles-Verständnis des "Averroismus" verwahren: erstens gegen die These, dass die individuelle Seele ebenso wie der Körper sterblich sei und nur der allgemeine Geist unsterblich; zweitens gegen die Annahme einer Welt ohne zeitlichen Anfang, womit die biblische Schöpfungstheologie in Frage gestellt erschien. Auch die islamische Geistlichkeit sah den Gottesglauben durch Averroes bedroht, so dass viele seiner Schriften verbrannt wurden. Die Verbannung, der er selbst anheimfiel, hob man erst kurz vor seinem Tode auf. Was blieb, war eine gravierende Distanz der orthodoxen Schulen des Islam bzw. Koran gegenüber Bestrebungen, diesen mit vernunftgeleiteten Argumenten in Einklang zu bringen, worin der unumgängliche Kommentator des unumgänglichen Philosophen bis heute beispielgebend ist.

QUELLEN
Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter (Reclam 1986)
Mittelstraß (Hg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie (Metzler 1995)

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