Montag, 21. November 2011

Voltaire – Aufklärer in Wort und Tat

Voltaire (1694-1778) wurde an einem 21. November in Paris als François Marie Arouet geboren und gilt als Galionsfigur der europäischen Aufklärung. In seiner Heimatstadt ist er 83-jährig zwar auch gestorben, doch verbrachte der scharfzüngige Schriftsteller mehr als die Hälfte seines Lebens an entfernten Zufluchtsorten. Zweimal machte er 'Station' im Pariser Staatsgefängnis, der Bastille: er hatte sich gegenüber höchsten feudalen Kreisen 'Frechheiten' herausgenommen. Ein notgedrungener mehrjähriger Englandaufenthalt übte den stärksten Einfluss auf sein philosophisches Denken aus, das er anschließend in Frankreich populär machte – vor allem das neue physikalische Weltbild von Isaac Newton und die politische Theorie des Empiristen John Locke. Voltaires Veröffentlichungen begeisterten sogar den jungen Preußenkönig Friedrich II. und später die russische Zarin Katharina II.; beide "Großen" traten mit ihm in Briefwechsel. Sein vielleicht bedeutendstes philosophisches Werk wurde angeregt, als im Jahre 1755 ein Tsunami die portugiesische Hauptstadt Lissabon heimsuchte und rund 100.000 Menschenleben forderte: 1759 erschien anonym der Roman "Candide oder Der Optimismus". Kritisch angespielt wird darin auf den im Blick auf das schwere Erdbeben wie Hohn klingenden Leibnizschen Lehrsatz, Gott habe "die beste aller möglichen Welten" geschaffen. Dennoch war Voltaire zeitlebens ein gottgläubiger Mensch, wobei er sich allerdings auf den Standpunkt beschränkte, dass ein göttlicher Welturheber nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung notwendig sei. Kirchliche Ausschmückungen dieses natürlichen Theismus hielt er jedoch allesamt für verächtlichen Aberglauben. Seine eigene Religiosität bestand in einem von moralischen Prinzipien geleiteten Leben, was er – unter anderem als Fürsprecher von zu Unrecht Beschuldigten – auch nach Kräften führte.

QUELLEN
Holmsten: Voltaire (Rowohlt 1971) 
Voltaire: Candide (Reclam 1971)   

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