Mittwoch, 30. November 2011

Toland – Mit Gott fing alles nur an

John Toland (1670-1722) wurde an einem 30. November auf der irischen Halbinsel Inishowen geboren. 51-jährig ist er in London gestorben. Mit 24 schrieb der zum Protestantismus übergetretene Katholik in Oxford sein Hauptwerk "Christentum ohne Geheimnis (Christianity not Mysterious)". Dabei handelt es sich um eine religionsphilosophische Schrift im Anschluss an Überlegungen von John Locke. Durch die ein Jahr nach Erscheinen öffentliche Verbrennung dieses Buchs in Irland wurde Toland europaweit als Aufklärer bekannt. Ihn zuerst nannte man einen "Freidenker (free-thinker)". Er nahm sich als christlicher Denker die Freiheit, der kirchlichen Glaubenslehre nur bedingt zu gehorchen. Seine Bedingung war, dass der Glaube – im Sinne der natürlichen Theologie – vernünftig sei. So sei das Dasein Gottes deshalb einsichtig, weil es gute Argumente für die übernatürliche Erschaffung der natürlichen Welt gebe. Die ganze Naturgeschichte laufe aber sodann wie ein zuverlässiges Uhrwerk ab; denn offenbar seien die Gesetze der Natur gottgewollt. Dieses unter den Aufklärern des 17. und 18. Jahrhunderts verbreitete Gottes- und Weltverständnis wird auch Deismus genannt (sprich: De-ismus, von lateinisch "deus" = Gott), in Abgrenzung gegen den Theismus (sprich: The-ismus, von griechisch "theos" = Gott), der auch rational unerklärliche Glaubensinhalte annimmt. Die Bibel war für Toland ein Buch, dessen zahlreiche 'Wundersamkeiten' auf naive Anschauungen der alten Zeiten zurückzuführen seien und den glaubwürdigen Kern der Religion nicht beträfen. Dieser sei mit einer vernünftigen, allen Religionen zugrundeliegenden Sittenlehre gleichzusetzen.

QUELLEN
Mittelstraß (Hg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie (1996)
Volpi (Hg.): Großes Werklexikon der Philosophie (Kröner 2004)

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