Donnerstag, 24. November 2011

Spinoza – Gott alias Natur

Baruch de Spinoza (1632-1677) wurde an einem 24. November in Amsterdam geboren. Als er 44-jährig in Den Haag starb, war sein philosophisches Hauptwerk noch nicht erschienen: Ethik, nach der geometrischen Methode dargestellt. Doch zuvor bereits war er wegen seines unter anderem bibelkritischen Denkens dem Atheismusvorwurf ausgesetzt, sowohl von jüdischer als auch von christlicher Seite. Dabei war Gott seine große Liebe und sein einziger Lebensinhalt. Warum dann der Vorwurf der Gottlosigkeit? Für Spinoza war Gott so einzig, dass nichts außer ihm selbstständig existieren könne, und zugleich so durchschaubar, dass die menschliche Vernunft ihn "unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit" – sub specie aeternitatis – voll und ganz zu erkennen imstande sei. Auf diese Weise sei eben die allumfassende, nämlich geistige Liebe zu Gott – amor Dei intellectualis – möglich und in diesem Sinne das höchste Glück, das Menschen widerfahren könne. Der Mensch sei damit prädestiniert, die schaffende Natur Gottes – natura naturans – einzuüben, und nicht bloß der geschaffenen Natur (natura naturata) anzugehören. Die unendliche Mannigfaltigkeit der endlichen Geschöpfe sei eine solche von Gegebenheitsweisen – Modifikationen – des Schöpfers. Deren Existenz leite sich genauso zwingend – deterministisch – aus den logischen Gesetzen ab wie (in der Form des ontologischen Gottesbeweises) die des höchsten Wesens selbst. Diese einzigartige Verbindung von Rationalismus, Naturalismus und Pantheismus stieß anfangs vielleicht nur bei dem großen Harmoniedenker Leibniz auf ein wohlwollendes Verständnis. Im darauffolgenden Jahrhundert wuchs die lose Gemeinde der "Spinozisten" zusehends, vor allem in den Reihen der deutschen Idealisten und Romantiker.

QUELLEN
Röd: Benedictus de Spinoza. Eine Einführung (Reclam 2002)
Spinoza: Die Ethik. Lateinisch/Deutsch (Reclam 1986)

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