Samstag, 26. November 2011

Saussure – Jede Sprechsituation hat es in sich

Ferdinand de Saussure (1857-1913) wurde an einem 26. November in Genf geboren. Er gilt als Begründer einer "strukturalen" Sprachwissenschaft (Linguistik) und Anreger einer auch in anderen Disziplinen maßgeblich gewordenen "strukturalistischen" Methode des Zeichenverständnisses (Semiotik, Hermeneutik). Saussure verglich die Sprache mit dem Schachspiel, und zwar hinsichtlich beliebiger Stellungen, die im Laufe einer Partie zustande gekommen sind. Um die Spielmöglichkeiten zu analysieren, die sich aus einer solchen Konstellation der Schachfiguren ergeben, braucht man nichts über den bisherigen (diachronen) Spielverlauf zu wissen. Die (synchrone) Momentaufnahme enthält sämtliche Informationen, die für den Strategen nötig sind. Demnach genügt eben eine "Struktur"-Analyse, um alles zu verstehen, worauf es beim Anwenden eines Zeichensystems ankommt. Philosophisch hat dieser Denkansatz Saussures vorwiegend in Frankreich Schule gemacht, wobei von "Schule" im engeren Sinne nicht die Rede sein kann, da der Strukturalismus für Interpreten ganz unterschiedliche Spielräume bei Systemen eröffnet, die unübersichtlicher sind als das vergleichsweise leicht ausrechenbare Schachspiel – im Falle der Volkssprachen zumal.

QUELLEN
Jäger: Ferdinand de Saussure zur Einführung (Junius 2007)
Saussure: Grundlagen einer allgemeinen Sprachwissenschaft (DeGruyter 1967)

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