Donnerstag, 17. November 2011

Pico – Das Menschenmögliche

An einem 17. November starb in Florenz der erst 31-jährige Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494). Für die knapp bemessene Lebenszeit, die er zur Verfügung hatte, eignete sich dieser neben Ficino bedeutendste Renaissance-Philosoph ein erstaunlich umfassendes, vielsprachiges Literaturwissen an, aus beiden Sphären der damaligen Welt, der abend- und der morgenländischen. Dabei war er von der Vereinbarkeit der geistigen Traditionen überzeugt – nicht nur der platonischen und aristotelischen Spielarten des philosophischen Denkens, die im Spätmittelalter viele Dispute mit sich brachten, sondern auch der jüdischen, christlichen und islamischen Glaubenslehren. Nur ein päpstlicher Bannspruch gegen ihn verhinderte es, dass sich zahlreiche europäische Gelehrte auf Einladung Picos in Rom versammelten, um über seine nicht weniger als 900 Vereinbarkeitsthesen zu konferieren. Unter dem Schutz der Medici konnte er immerhin im Rahmen der florentinischen Accademia Platonica seine Lehren weitergeben, deren Herzstück ein kühnes Verständnis der Würde des Menschen ist: Gott habe sozusagen die menschlichen Spätlinge seiner Schöpfung auf keine eindeutige Haupteigenschaft festgelegt, sondern die Kreation des Menschenwesens dem Menschen selber überlassen. Sterblich oder unsterblich, Tier oder Gott zu sein, das alles steht nach dem früh vollendeten italienischen Humanisten einzig und vollkommen in unserer Macht.

QUELLEN
Pico della Mirandola: Über die Würde des Menschen. Lateinisch und deutsch (Reclam 1997)
Spierling: Kleine Geschichte der Philosophie (Piper 1990)

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