Dienstag, 8. November 2011

Duns Scotus – Verfeinerung der Philosophie durch Philosophiekritik

An einem 8. November starb Johannes Duns Scotus (1265/66-1308), der Schotte aus Duns. Als Theologe stand der Franziskanermönch der Philosophie skeptisch gegenüber, weil sie den christlichen Glauben, statt ihn gänzlich auf Gottes Offenbarung gestellt zu sehen, mit der menschlichen Vernunft zu versöhnen suche. Diese Tendenz war im 13. Jahrhundert vorherrschend geworden, als vor allem der Dominikaner Thomas von Aquin sein Denken an den durch arabische Gelehrte nach Westeuropa gelangten Schriften des Aristoteles ausrichten und eine Art Synthese von griechischer Philosophie und Christentum in Angriff nehmen konnte. Duns Scotus wandte sich nicht einfach fideistisch (lateinisch fides = Glaube) von dieser scholastischen Denkströmung ab, sondern war bestrebt, sie mit ihren eigenen, argumentativen Mitteln als unhaltbar zu erweisen. Dabei bewies er einen schärferen Verstand als die Kritisierten, wofür er den Ehrentitel "doctor subtilis" erhielt. Zum Beispiel zeigte er auf, dass man streng logisch nicht von der sinnlichen Erfahrung auf eine übersinnliche schließen könne. Bloße (für Gottesbeweise typische) Analogieschlüsse seien nicht zwingend, weil sie sich im Mehrdeutigen bewegten. Gottes Wille sei zu frei, um anders als im Licht der Offenbarung – also durch die Heilige Schrift – deutlich und für das praktische Leben als maßgeblich erkannt zu werden.

QUELLEN
Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter (Reclam 1986)
Weger (Hg.): Argumente für Gott (Kohlhammer 1987)

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