Sonntag, 20. November 2011

Croce – Nichts außer Geist

Benedetto Croce (1866-1952) starb an einem 20. November in Neapel, wo er fast sein ganzes Leben verbracht hatte und zwei Jahrhunderte zuvor auch seine philosophische Leitfigur Giambattista Vico zu Hause gewesen war. Außerdem hatte er sehr viel übrig für das Geschichtsdenken Hegels, das er mit seinem Neuidealismus in Italien salonfähig machte. Die vier Hauptwerke des Studienabbrechers und wohlhabenden Privatgelehrten folgten dem Programm einer Philosophie als Wissenschaft des Geistes. Den Geist verstand er nicht als Substanz, sondern als reine Aktivität, als lebendiges und durch und durch weltliches Geschehen, in dem sich alles abspielt, was überhaupt ist. Insofern gilt Croce als Vertreter einer idealistischen Lebensphilosophie, die Individuelles und Allgemeines recht eigensinnig aufeinander bezieht. So schreibt er jedem Menschen ein künstlerisches Ausdrucksvermögen zu, das auf einem intuitiven Sinn für das Einzelne beruhe, der aber im verallgemeiernden wissenschaftlichen Erkennen die notwendige Ergänzung erfahre. Ähnlich abgestuft stelle sich das sittliche Leben dar, wo gewöhnlich nach der ökonomischen Devise gehandelt werde, individuelle Interessen zu befriedigen; doch mit solchen Nutzenerwägungen sei auch der überindividuelle ethische Sinn verbunden, der demnach sozusagen den längeren Lebensatem hat. Croces bekanntester Schüler ist übrigens Giovanni Gentile, mit dem er bis zu dessen Parteiergreifung für die Faschisten befreundet war.

QUELLEN
Lutz (Hg.): Metzler Philosophen Lexikon (1995)
Röd: Der Weg der Philosophie (Beck 2000)

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