Montag, 7. November 2011

Camus – Sisyphusglück

An einem 7. November wurde im damals französischen, heute algerischen Mondovi Albert Camus geboren (1913-1960). Der Erzähler, Dramatiker und philosophische Essayist kam 46-jährig bei einem Autounfall ums Leben. Ein solcher Tod mutet besonders absurd an – aber ist nicht der Tod überhaupt und damit rückwirkend das ganze Leben sinnlos? Camus ist dieser Frage auf seine Weise nachgegangen, und er hat sie mit Nein beantwortet. Dieses Nein hat er in all seinen Werken zum Ausdruck gebracht, gleichermaßen in den 'dichterischen' – etwa im Roman "Der Fremde (L'Étranger)" – und den 'denkerischen' – etwa in der Aufsatzsammlung "Der Mensch in der Revolte (L'Homme révolté)". Einmal bedient er sich zur Darstellung seines Gedankens einer antiken Sagengestalt: des Sisyphus. Die Rede von der 'Sisyphusarbeit' ist bis heute volkstümlich: man müht sich immer wieder ab, und am Ende ist alles vergebens. Gerade so sieht die Strafe aus, die dem allzu eigennützigen und listigen Sisyphus im Totenreich auferlegt war: quasi in einer Endlosschleife einen Marmorblock den Hang hinauf zu wälzen, bis die Kraft erlahmt und die steinerne Kugel hinunterrollt. Dieses Schicksal versteht indessen Camus in seiner Deutung zu wenden: Sisyphus scheitert zwar bei jedem Aufstieg, aber das Schicksal scheitert sozusagen ebenfalls, indem der selbstbewusst sich Empörende jedesmal wieder den Weg nach oben antritt. Den Menschen wird, anders gesagt, zwar zu keiner Zeit die Weltrevolution glücken, aber auch die Absurdität kommt gewissermaßen nie zur Ruhe; denn der revoltierende Mensch vermag
– zwar hoffnungslos, aber zu seinem voll gegenwärtigen Glück – die widersinnige Wirklichkeit stets aufs Neue herauszufordern.


QUELLEN
Camus: Der Mythos des Sisyphos (Rowohlt 2000)
Sändig: Albert Camus (Rowohlt 1995)

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