Freitag, 25. November 2011

Bachofen – Befund: Ladies first

Johann Jakob Bachofen (1815-1887) starb an einem 25. November in seiner Heimatstadt Basel. Da er einer reichen Patrizierfamilie angehörte, konnte er seine nur wenige Jahre aufrecht erhaltene akademische Stellung gegen ein zurückgezogenes Gelehrtenleben eintauschen, das freilich von vielen Forschungsreisen unterbrochen war. Im Zusammenhang dieser privaten Studien führte er den Begriff des Mutterrechts ein, den er in seinem gleichnamigen kulturanthropologischen Hauptwerk mit teils archäologisch fundiertem, teils sozialgeschichtlich zweifelhaftem Inhalt füllte. Zum Beispiel unterstellte er für die Frühzeit den häufig wechselnden Geschlechtsverkehr als Normalfall, so dass sich das Mutterrecht schlicht aus dem Umstand der in der Regel unmöglichen Vaterschaftsnachweise ergab. Jedenfalls leistete er Pionierarbeit auf einem komplexen Forschungsgebiet, das sich noch auszudifferenzieren hatte. Und solche Ansätze halfen der Frauenemanzipation des 19. und 20. Jahrhunderts wissenschaftlich wie philosophisch in die Gänge. Nach Bachofen spricht viel dafür, dass dem vermeintlich naturwüchsigen Patriarchat ein Matriarchat vorausging. Diese Abfolge kann, wie sich später erwiesen hat, zwar ethnologisch nicht verallgemeinert werden, so dass die Intuition des Schweizer Privatgelehrten fehlging. Doch allein seine mythenkundliche Relativierung der Männerherrschaft hat sich als gravierender Fortschritt im Rechtsverständnis und als ideologischer Dammbruch erwiesen.

QUELLEN
Volpi (Hg.): Großes Werklexikon der Philosophie (Kröner 2004)
www.deutsche-biographie.de: Bachofen, Johann Jakob

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