Sonntag, 13. November 2011

Augustinus – Mit zwei Welten im Bunde

An einem 13. November wurde im nordafrikanischen Thagaste (heute Souq Ahras, Algerien) Augustinus geboren (354-430). Seine Heimatregion war die römische Provinz Numidien, die am Ende seines Lebens im Zuge der Völkerwanderung von den Vandalen eingenommen wurde. Zu dieser Zeit war der Sohn einer Christin Bischof von Hippo (heute Annaba, Algerien). Zuvor nahm er auf seiner Suche nach der wahren Religion erst mit 31 Jahren, während eines vierjährigen Italienaufenthalts, den christlichen Glauben an.

Beruflich war der in Karthago ausgebildete Rhetor damals als Ehrenredner in Mailand tätig, der Residenzstadt von Kaiser Valentinian II. Dort wirkte auch der einflussreiche Bischof Ambrosius, der Augustinus taufte. Ambrosius trug maßgeblich dazu bei, dass wenige Jahre später (391) Theodosius I., der unmittelbare Nachfolger von Valentinian, das Christentum zur einzigen Reichsreligion erhob. Während Augustinus selber (ab 396) das Bischofsamt bekleidete, konnte er also diese geistliche Führungsposition zugleich als staatlich hoch autorisierter Kirchenmann ausfüllen. Anlässlich des Streits etwa mit den Anhängern des Donatus, der Taufen durch unwürdige Priester für ungültig erklärt hatte, gab sich Augustinus zwar einerseits viel Liebesmühe, um die Abweichler für die 'katholische' Lehre zurückzugewinnen; er rechtfertigte jedoch in diesem Zusammenhang als letztes Mittel auch obrigkeitliche Zwangsmaßnahmen. Auf dieses Wort eines Kirchenvaters konnten sich in der weiteren Geschichte viele schonungslose Verfolger von 'Ketzern' und 'Ungläubigen' berufen.

Der bekehrte 'Römer' Augustinus war eben, und das mag allzu christenmenschlich sein, ein Angehöriger zweier Reiche: des weltlichen Kaiserreichs und des heiligen Gottesreichs; beziehungsweise ein Mitglied zweier Kirchen: der reinen unsichtbaren und der durchwachsenen sichtbaren. In seiner Lehre bereiteten sich Eigenarten des Jahrhunderte später gegründeten Heiligen Römischen Reichs vor wie etwa die Pflicht des begnadeten Kaisers, unter Aufsicht des päpstlichen Kirchenoberhaupts den Gottesstaat in die Wege zu leiten.

In allgemeinphilosophischer Hinsicht vorausweisend waren einige Reflexionen, die der bei Manichäern und Platonikern in die Schule Gegangene in seinen Bekenntnissen anstellte. Dazu zählt der Existenzbeweis seiner selbst auf dem Weg des Zweifels: Wenn ich an meiner Existenz zweifle, kann ich doch nicht bezweifeln, dass ich zweifle – also muss ich existieren. Diesen Gedanken griff mehr als tausend Jahre später Descartes wieder auf, um alles Wissen aus dem Selbstbewusstsein hervorgehen zu lassen. Aber bereits die innere Dialogform von Augustins autobiographischen Aufzeichnungen mutet verblüffend modern an.

QUELLEN
Augustinus: Bekenntnisse (dtv 1982)
Sloterdijk/Flasch: Philosophie jetzt! Augustinus (Diederichs 1996)

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