Mittwoch, 19. Oktober 2011

Nur ungleich und ungleich gesellt sich

Man kann den Standpunkt vertreten, alles geschehe zwangsläufig. Einen derartigen Zwang scheinen die Naturgesetze mit sich zu bringen. In der Natur wirken Kräfte, die allgegenwärtig und unwiderstehlich sind. In ihrem Wirken besteht die Wirklichkeit; denn wirklich ist das, was wirkt, und das sind eben letztendlich die fundamentalen Kräfte der Natur. Alles, was irgendwie ist, ist demnach restlos vom Wirken dieser Kräfte, das heißt, von den Naturgesetzen abhängig. Das ist der Standpunkt des Determinismus (lateinisch "determinare" = begrenzen, festlegen).

Weil es aber mehr als nur eine Naturkraft gibt – die Physiker sprechen von vier Grundkräften , handelt es sich beim naturgesetzlichen Wirken stets um ein Zusammenwirken. Deshalb sind zum Beispiel Wetter- und Erdbeben-Vorhersagen nur mehr oder weniger zuverlässig  ähnlich wie Expertentipps, die Kursentwicklung einer Aktie betreffend oder das Ergebnis eines Fußballspiels. Das dennoch zwangsläufige Geschehen bedeutet in all diesen Fällen nicht, dass es vollkommen zu durchschauen wäre. Eine dem derart Indeterminierten, sprich: Unbestimmten, entsprechende Behelfslösung ist das Reden vom "wahrscheinlichen" statt vom wirklichen Eintreten des Prognostizierten.

Hanns Dieter Hüsch (1925-2005), der sich selber gern einen "Küchenphilosophen" nannte, tat einmal den weisen Ausspruch: "Es kommt immer was dazwischen." Gerade auch die natürliche Welt, nicht erst die menschliche, steckt voller Überraschungen, voller Unwägbarkeiten - da kann man die Naturwissenschaften so lange vorantreiben, wie man will. Und umgekehrt ist es um die Zwanglosigkeit des Menschen auf allen Ebenen nicht besser bestellt als sonst in der Natur. Zwang und Zwanglosigkeit erweisen sich überall als ein untrennbares Gespann  als wären sie füreinander geschaffen.

Der Zwanglosigkeit kommt immer der Zwang, dem Zwang immer die Zwanglosigkeit dazwischen. Der Notwendigkeit immer der Zufall, dem Zufall immer die Notwendigkeit. Der Freiheit die Abhängigkeit wie dieser die Freiheit. Dem Sinn die Sinnlosigkeit wie dieser der Sinn. Auch dem Tod das Leben wie diesem der Tod, dem Mut die Angst wie dieser der Mut und der Torheit die Weisheit wie der Intelligenz die Idiotie. Bitte selber weitermachen mit Liebe und Hass, Ruhe und Bewegung, Pflicht und Kür, Mann und Frau, arm und reich, Glück und Unglück, Krethi und Plethi, Fülle und Nichts ...!

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