Mittwoch, 26. Oktober 2011

Big Brother Money

Die derzeit andauernden Proteste gegen Banken und Finanzmärkte läuten eine neue, höhere Qualität von Demokratiebewegung ein. Das Volk kann nämlich nicht herrschen, wenn nicht auch das Geld von ihm beherrscht wird. Geld gehört unter demokratische Verwaltung, wenn es nicht mehr die Welt regieren soll. Indem es überall Tauschgeschäfte erleichtert, türmen sich die Schulden auf. Gegen Schulden hilft nur eines: sie zu erlassen. Schulden erlassen kann nur eine Gesellschaft, deren Mitglieder nicht vor allem neben- und gegeneinander, sondern mit- und füreinander wirtschaften, kurz: schenken statt tauschen.

Eine Gesellschaft ist umso demokratischer, je mehr sie sich von einer Tauschwirtschaft abwendet und einer Schenkwirtschaft zukehrt. Die Schenkwirtschaft rechnet nicht mit Gegenleistungen. In ihr sind keine Schulden möglich und ist daher kein Geld nötig. Wirkliche Demokratisierung ist der Weg zu diesem Ziel, das freilich nur mit vielen kleinen Schritten erreicht werden kann. Dazu gehört, dass der Kredit seine eigentliche Bedeutung unbedingten Vertrauens allmählich zurückgewinnt. Dass der eigentliche Gewinn darin gesehen wird, immer mehr Beschenkte zu freudig Schenkenden werden zu lassen. Die Ode an diese Freude wird der Abgesang des Großen Bruders Geld sein; es wird sich als minderreicher Pluto zu bescheiden haben.

Im Himmel ist Pluto kein Planet mehr - und auf der Erde soll Plutokratie noch länger das planetarische Handicap auf dem Weg zu einer wahrhaft demokratischen Weltgesellschaft sein?

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