Donnerstag, 15. September 2011

Das ist alles? Die Kuh-Elsa-Parabel

"Ihre Kuh Elsa ist tot", meldet ein Butler telefonisch dem Landgrafen. Es ist die Wahrheit. Diese Wahrheit über die Kuh Elsa steht freilich in keinem Verhältnis zu den Belangen des Adressaten: "Das ist alles? Deswegen rufen Sie mich an?" Doch die Wahrheit gibt es immer nur scheibchenweise. Der Tod der Kuh Elsa ist eine Teilwahrheit. Die Kuh mag wirklich tot sein, ohne Zweifel, ungelogen. Aber mit einer Wahrheit, die nicht alles ist, kann man eigentlich nichts anfangen. Im Kuh-Elsa-Sketch lässt sich der Butler die ganze Wahrheit scheibchenweise entlocken, indem er über die näheren und tieferen Gründe für den Tod der Kuh Auskunft gibt. Am Ende erfährt der Landgraf für seine Verhältnisse alles. Die Königin von England würde an dieser Stelle wohl immer noch fragen: "Deswegen rufen Sie mich an?" Indes wäre auch ihren Ansprüchen gewiss nach einigen weiteren Scheibchen Wahrheit Genüge getan. Nicht so den philosophischen. Für den Philosophen bleibt die Frage "Ist das alles?" offen. Natürlich kann auch er wie jeder Mensch von einer Angelegenheit in einem solchen Maße persönlich betroffen sein, dass für ihn die Welt ins Wanken gerät. Doch gerade dann liegt sogar ein Trost in der Ist-das-alles-Frage: Was ist (denn schon) die Welt? Zu sagen, die Wahrheit im Vollsinn des Wortes ginge auf keine Kuhhaut, ist so stark untertrieben, dass man nicht zuletzt deshalb über den Sketch lachen kann.
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