Dienstag, 30. August 2011

Religion und Wissenschaft in derselben Verlegenheit

Für schlecht begründet halte ich den (allenfalls polemisch) eingenommenen Standpunkt, so etwas wie eine göttliche Schöpfung könnte es nicht geben, weil die Zahl der Belege für eine kosmische Evolution inzwischen erdrückend wäre. Das ist deshalb eine schlechte Begründung, weil die moderne evolutionäre Naturwissenschaft über das Wie des Anfangs-von-allem durchaus noch nicht mit einer Stimme redet und erst recht gegenüber der Frage nach dem Warum dieses Anfangs - prinzipieller: nach dem Warum von überhaupt-etwas - sowohl mit als auch ohne Quantenmechanik versagt. An der alles entscheidenden Stelle wird auch die höchste Berufungsinstanz atheistischer Weltanschauungen spekulativ. Genau das ist der Ort, an dem "alte Zöpfe" aus Religion und Metaphysik und "neue Modelle" aus der Grundlagenforschung zusammenrücken können. Nicht etwa, um fortan in großer Harmonie gemeinsame Sache zu machen, sondern zur sozusagen "interkulturellen" Wahrnehmung derselben Verlegenheit, der die menschliche Vernunft auf keinem ihrer Wege entkommt. Dabei können Religion und Wissenschaft lernen und tun das auch schon seit geraumer Zeit, in einem disziplinierten Sinn Religion und Wissenschaft zu sein, zwei durch größten Ernst ausgezeichnete Kulturbereiche, in denen beiden jeder einzelne Mensch sich geistig bewegen kann, um nie voll, aber so weit wie möglich auf seine diesbezüglichen Kosten zu kommen.

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