Freitag, 5. August 2011

Hungersnot in Ostafrika: Spender sind sich selbst am nächsten

Mit dem "Nächsten" meint die christliche Nächstenliebe nicht nur einen besonders nahe Verwandten oder auch nur einen Angehörigen des eigenen Volkes, sondern den Menschen, der in meiner Nähe auftaucht, was theoretisch jeder Mensch sein kann. Im Zeitalter des Fernsehens kommen uns die Freuden und Leiden von Menschen vor Augen, die uns praktisch immer fern bleiben, zum Beispiel die Hungernden in Ostafrika. Trotz erschütternder Bilder bleibt der emotionale Abstand groß. Lässt sich dieser ohne räumliche Annäherung verringern? Manche mögen dazu in der Lage sein. Dann ist eine Art von Fernstenliebe möglich. Eine Fernstenliebe anderer Art ist möglich durch geistiges Nahesein. Geistiges Nahesein ist Wesensmerkmal platonischer Liebe, die Nietzsche kaum gemeint haben dürfte, als er die Rede von der Fernstenliebe aufbrachte. Den Hungernden in Ostafrika wird es gleichlieb sein, ob wir uns durch Platon oder durch Nietzsche zu wirksamer Nothilfe motivieren lassen.

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