Dienstag, 12. Juli 2011

Ëchtet das Fragen!

Die echten Fragen sind die metaphysischen. Kant hat sie durch zwei Eigenschaften gekennzeichnet: für Menschen lebensnotwendig zu sein und unentscheidbar. Sie sind also wie ständig offene Wunden und ziehen daraus ihre Wertigkeit. Solche Fragen werden nicht vorgelegt, sondern sie erheben sich. Sie haben keinen Adressaten; denn von niemandem wird im Ernst erwartet, sie beantworten zu können. Niemand braucht sich also ihretwegen durch jemand anderen bedrängt zu fühlen. Sie können auch nicht verdrängt werden, denn ihr Drängen ist stets offenkundig, sei es in der einen, sei es in der anderen Gestalt. Im Grunde ist das Menschsein selbst die Inkarnation der metaphysischen Fragen, die echte Frage in Person. / Jede andere Frage ist falsch. Sie hat in Wahrheit die Form der Bitte oder des Auftrags, weil den Charakter des Erfüllbaren. Falsche Fragen sind bestenfalls Zutrauungen, schlechtestenfalls Zumutungen. Sie schlagen in jedem Fall aufs Gemüt, weil sie "Fragen" von Menschen an Menschen sind. Sie sind also ersetzbar durch vielerlei Willensbekundungen. Man will etwas voneinander. Man will informiert sein. Solches "Fragen" heißt in Wirklichkeit: beieinander nachschlagen. Das ist nicht immer harmlos und ist diesbezüglich ermessbar, wenn die wahre Form der falschen Frage zutagetritt. Insofern sollte es die Frageform außerhalb der Metaphysik nicht mehr geben dürfen. Alles Fragen gehört geächtet oder geechtet.

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