Montag, 30. Mai 2011

Los-Glück

Lotterien sind überaus beliebt, denn das Los-Glück scheint so nahe zu liegen: ständig werden neue Hauptgewinner, neue Millionäre ermittelt. Bei einem Minimum an finanziellem Einsatz, noch weniger an direktem Arbeitsaufwand. Mein Vater, der für wenig Geld hart gearbeitet hat, findet es unfair, dass in Lotterien nur ein paar Leute Millionen zu gewinnen pflegen, statt dass Tausende von Glücklichen ein paar Tausender bekommen. Aber das ist eben der Kick, sage ich ihm dann: Wenn einem schon ein großer Zufall helfen muss, ein kleines Vermögen zu "machen", dann bitte kein gar so kleines. Und wenn auf Dauer das viel wahrscheinlichere Los-Pech eintritt, dann hakt man die vergleichsweise leicht zu verschmerzenden Kleingeld-Verluste gelassen ab. Und wenn gar die Glücksspieleinnahmen sozialen Zwecken dienen, dann braucht man sich auf keinen Fall als Verlierer zu fühlen. Eher als edler Spender. / Zur Zeit wirbt eine frühere "Sportschau"-Moderatorin, Monica Lierhaus, für die gemeinnützige ARD-Fernsehlotterie. Dazu haben beide Seiten einen 500.000-Euro-Werbevertrag abgeschlossen. Das kann man ein besonderes Los-Glück nennen. Die Besonderheit ist, dass das Los von Frau Lierhaus kein Lotterielos, sondern ein Schicksalsschlag gewesen ist: nach einer Gehirnoperation zeigten sich starke Lähmungen, die trotz mehrjähriger Reha und großem sportlichen Ehrgeiz noch nicht ganz behoben sind. Sie wird davon gezeichnet bleiben, hat aber viel Grund, für professionelle Hilfe und menschliche Unterstützung dankbar zu sein. Diese gute Erfahrung kann sie nun als prominente Behinderte vermarkten. Aberwitzig, dass sich viele über dieses Los-Glück empören, wogegen die Glückslos-Millionäre ziemlich entspannt beneidet werden.

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