Dienstag, 18. Januar 2011

Die auf endliche Art unendliche Welt

In aller forschungslogischen Bescheidenheit kann gesagt werden: Die Urknall-Hypothese ist noch nicht falsifiziert. Und bisher ist kein kosmologisches Modell präsentiert worden, das sich so gut "rechnet". Ungeachtet eines in der Zukunft möglichen Paradigmenwechsels bleibt die Urknall-Hypothese allerdings philosophisch sehr anregend, was das Verhältnis (oder die Alternative) von Endlichkeit und Unendlichkeit der Welt angeht. Kant formulierte das noch als Dilemma: Sowohl das Behaupten als auch das Leugnen eines Weltanfangs gerate in einen Widerspruch. Jetzt kann man es als eine Art Verschränkung fassen: Die Welt ist auf eine endliche Art unendlich. Sie hat zwar einen Anfang und ein Ende, aber nichts war vorher und nichts wird nachher sein, Gott eingeschlossen. Letzteres aber deshalb, weil ein Gott, der diesen Namen verdient, keiner Chronologie oder Kosmologie unterliegt. Das ist die Konsequenz der Rede, dass ihn ein Astronaut so wenig zu Gesicht bekommt wie ein Chirurg die Seele. Zu verstehen gilt es, dass man dasselbe so oder so sagen kann: kosmologisch oder theologisch. Und darum auch so und so.

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