Mittwoch, 13. Oktober 2010

Wie "eigene" Gedanken entstehen

Man kommt um eine gewisse Orientierung an fremden Meinungen nicht herum. Schließlich ist man ja nicht allein auf der Welt. Weder die Sprache (hier: Deutsch) noch die in Betracht kommenden Problemlösungen haben einzelne Leute ganz ursprünglich erfunden. Immer ergeben sich diese aus kursierenden Wissens- und Diskussionsständen. "Selber denken" heißt stets zugleich: im Dialog sein mit gedanklichen Vorgaben, wie bewusst auch immer. Und was dabei herauskommt? Sei auf dich selbst und den Rest der Welt gespannt, solange du "in der Welt" bist! Dies ist nun also eine weitere Vorgabe - mit Vorgaben.

Kommentare:

  1. Um den Vorgang der Entstehung eigener Gedanken zu verstehen, sollten wir die Struktur, und Arbeitsweise unseres Gehirns und damit des Bewusstseins betrachten. Denn unsere jeweils individuellen Gedanken entstehen in unserem jeweils individuellen Gehirn und werden dort und nur dort uns bewusst. Da sie dort in unserem Gehirn entstehen, ist jeder Gedanke, den wir denken, unserer eigener.

    Genau so wenig gibt es gemeinsame Gedanken. Denn da jeder Gedanke individuell ist, können Gedanken zweier Personen nie identisch sein. Sie können Gemeinsames enthalten aber nicht gemeinsam als Ganzes sein. Der Mensch hat in seiner Evolution Empathie zu großer Vollendung gebracht. Deshalb haben wir die Fähigkeit einander zu verstehen – nie ganz genau - oftmals allerdings überhaupt nicht. Dann kommen welche daher und sagen, glaube es einfach – das ist ein anderes Thema

    „Immer ergeben sich diese aus kursierenden Wissens- und Diskussionsständen“: Dieser Satz ist nicht wahr Wittgenstein würde ihn mit Wohlbehagen zerpflücken. Es sollte heißen statt „immer“ „meistens“. Mit „immer“ werden Innovationen und Intuitionen verleugnet.

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  2. Naturwissenschaftlich sucht man alles zu erklären - aber führt das zum Verstehen? Ich denke, das ist im Untersuchungsfeld des Lebendigen und Geistigen so wenig der Fall wie im Bereich des Makro- und Mikrokosmischen. Die Ebene des Verstehens ist die unumgängliche Deutungsebene, die sich niemals streng kausal aus einem Forschungsstand der Naturwissenschaften ableiten lässt. Reduktionisten bestreiten diese Inkommensurabilität - im Deutungsstreit. An dem sich selbstverständlich auch ein Wittgenstein beteiligt hat. Was am offenen Ausgang der Diskussion nichts ändert. Trotz der sich abschließend gebenden "Das ist immer so"- und "Das ist falsch"-Aussagen.

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